blödsinnige Pisa-Forderung

Es gibt Sachen, über die ich mich nur aufregen kann. Erstmal zum selber lesen Spiegel Online Artikel.

Welche Forderungen zum Teil aus der Pisa-Studie heraus kommen, ist schon nicht mehr schön. Das der Bildungserfolg von der sozialen Herkunft in Deutschland abhängt, ist leider traurige Wahrheit geworden. Aber das einfach hinzunehmen und zu folgern, dann sollen die Akademiker lieber mehr Kinder bekommen, halte ich besten Fall für gefährlich. Lieber Herr Bahr, anstatt solche sozialfeindlichen Forderungen der Presse zu erklären, brauchen wir bessere Konzepte, die sozialschwachen Kinder in die Bildungsgesellschaft mit einzubinden. Denn gerade daran schwächelt das deutsche Bildungssystem. Denn dieses Problem gibt es in anderen Ländern so nicht und in Deutschland hat sich die Lage seit Jahren verschlechtert. Wir wollen auch nicht vergessen, das z.B. Gerhard Schröder (den Herr Bahr sicher nicht mag) oder auch Olaf Henkel (den mag er dagegen bestimmt) Kinder aus sozial schwachen Familien sind.

Wenn Herr Bahr sich einfach für eine bessere Kinderbetreuung, natürlich auch für Akademiker, eingesetzt hätte, würde ich ihm jetzt fröhlich zustimmen, aber so kann ich mich nur aufregen. Und wenn ich zuviel in den sehr kurzen Artikel hineininterpretiere (immerhin ein Interview in der Bild am Sonntag, da geht die wahre Aussage schnell verloren), so sei halt so.

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2 Kommentare

Kommentar from: Sebastian [Besucher] · http://www.seelenradio.de
Herr Bahr betrachtet die Sache einseitig. Mehr Kinder von Eltern höheren Bildungsniveaus damit die Gesamtzahlen schöner aussehen. Das ist nicht mehr als der Aufruf, die Relation zu verschieben und die Augen vor der damit kleiner werdenen Gruppe der sozialschwachen und im Bildungsniveau niedriger angesiedelten Kinder zu verschließen. Sicher gibt es Gründe, weshalb besser situierte im Schnitt weniger Kinder haben. Sicher kann man auch etwas dazu beitragen, deren Bereitschaft zu einem Kind zu steigern. Was aber geschieht mit den Eltern, die Herr Bahr als "die sozial schwachen" bezeichnet? Das Bildungsniveau eines Kindes zu steigern geschieht so sicher nicht.

Deine Empörung kann ich also teilen. Sehr schön finde ich auch die Bildunterschrift: Jungpolitiker Bahr: Volkswirt, Single, kinderlos.
24.01.05 @ 20:08
Kommentar from: Marcel [Besucher]
Toll! Nachdem der Mißfelder von der JU den Rentnern keine Hüftgelenke mehr gönnt, kommt nun dieser junge Mann von den ach so Liberalen mit verqueren Ideen. Die Kinder aus sozial schwachen Familien hat er wohl schon abgeschrieben. Anstatt am Bildungssystem was entscheidenes zu ändern wird lieber überall ein wenig herumgedoktort.
Auch finde ich den vergleich mit Frankreich sehr hübsch. Herr Bahr hat Ursache und Wirkung in seiner Argumentation nicht sauber in Verbindung setzten können. Ich glaube ihm ist entgangen, dass Frankreich erfolgreich auf Ganztagsschulen setzt. Aber die Ganztagsschule in Deutschland ist ja für Schwarz-Gelb, zumindest in Niedersachsen, nicht akzeptabel. Von der Abschaffung des steinzeitlichen dreigliedrigen Schulsystems gar nicht zu reden. "Back to the 50's!" Man gibt sich halt mit einem mittelmäßigen Platz in PISA zufrieden.
25.01.05 @ 14:09

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