Ich habe ordentlich geschwächelt. Eigentlich hatte ich sechs Vorstellungen auf dem Trickfilm Festival auf dem Plan (und würde jetzt noch im Kino sitzen). Naja, vier Kinobesuche an einem Tag müssen reichen.

Bereits um 11 Uhr ging es mit einem Anime-TV-Serien-Mix los. Aus technischen Gründen konnte die Folge Mononoke nicht gezeigt. Dafür gab es zwei Episoden The Melancholy of Haruhi Suzumiya. Leider.
Zuerst gab es eine Folge von Gegege No Kitaro (siehe Bild), eine halbwegs amüsante Geisterfigur mit einem schrägen Figurenkabinett. Nicht so mein Ding. Darauf folgte eine ordentliche Pilotfolge von Haruhi Suzumiya und die zweite Episode, das unerträglichste was ich jemals im Kino gesehen habe.
Die Animationen sind gut, auch wenn sich die weiblichen Figuren an grossen Augen, kurzer Schulmädchenuniform und nicht zu kleiner Oberweite erschöpfen (von dieser Anime-Eigenart war ich nie ein Freund). Die Titelheldin ist vollkommen durchgeknallt und zwangsverpflichtet Kyon (die männliche Hauptfigur und fleissiger Erzähler aus dem Off), eine schweigsame Leseratte und eine Lolita mit schwachem Selbstbewusstsein zu ihrem Übernatürlichen-Club. Ihr Verhalten besonders der Lolita (ihr wird diese Rolle wörtlich zugewiesen) ist dabei so skrupellos und überschreitet soviele Grenzen, das ich es nur abartig finde. Der Zwang ein knappes Bunnykostüm zu tragen, Busengrapschen und Herabsetzung zur Sache, haben hier in meinen Augen nichts mehr mit Humor zu tun. Die (nur im Off) geäusserten Proteste Kyons helfen nicht, das Ergeben in die Opferrolle der Lolita verschlimmern es nur. Bei Animefans steht die Serie hoch im Kurs, für mich ist sie aber gestorben.
Die anderen Serien und Filme konnten nur besser werden. Und es wurde viel besser. Da ich ein wenig zu spät kam (habe zulange zum Rucksackkauf gebraucht), weiss ich nicht, warum nicht wie geplant Flag: The Movie sondern vier Episoden von Ergo Proxy. Diese SF-Animeserie mit Gothic-Einschlag hat mir gut gefallen. Leider sind die Bilder aber so dunkel, das man oft von dem ansonsten tollen Artwork kaum etwas erkennt. Da werde ich mal bei Zeiten auf DVD weiterschauen.
Japanisches Original mit englischen Untertitel ist für mich nichts Neues. Aber das eine Sprecherin den Film live zur Vorstellung synchroniziert habe ich vorher noch nicht erlebt. Geschehen ist dies bei Brave Story. Dies ist ein phantasievoller Anime über einen elfjährigen Jungen, der in der Welt auf der anderen Seite eines Portals einige Abenteuer bestehen muss. Mir hat er gefallen, für Kinder von 10 bis 13 Jahren ist er aber noch besser geeignet. Wer einen Verwandten im passenden Alter hat, kann beruhigt mit ihm ins Kino gehen, denn der Film läuft am 15. Mai in Deutschland an.
Zum Abschluss des Tages habe ich Terra gesehen, einen amerikanischen computeranimierten SF-Film. Für eine Independentproduktion ist die Sprechercast prominent besetzt. Den Vertrieb hat aber offensichtlich Warner übernommen. Die Story hat einen starken Öko-Einschlag und ist vielleicht nicht neu, aber es wird eine lebendige exotische Welt erschaffen. Und manchmal kommt Star Wars-Feeling und Erinnerungen an andere schöne SF-Stoffe auf (was auch ein wenig am klassischen Science Fiction Score liegen mag). Die Animation kann vielleicht nicht immer mit den Grossen der Branche mithalten, ist aber insgesamt gut gelungen. Empfehlenswert.
Foto: Internationales Trickfilm-Festival Stuttgart