Stummfilm-SALON

Dies wird mein Jahr des deutschen Films. Noch nie habe ich so viele Werke aus Deutschland gesehen. Oder besser gesagt, aus der Weimarer Republik. Mit dem aktuellen heimischen Kino kann ich immer noch nur bedingt etwas anfangen. Aber dafür nutze ich seit letztem Sommer Gelegenheiten, Stummfilmvorstellungen zu besuchen. Leider ist es in den Spielorten oft nicht möglich, 35mm-Kopien zu zeigen. Aber auch DVD-Screenings mit Live-Musik haben ihren Reiz. So auch letzte Woche Samstag, als wir in dem Karlsruher marotte-Figurentheater zu Wein, Suppe und Film beim Stummfilm-SALON waren.
Die Veranstaltung war gut besucht und ein gut aufgelegter Hausherr führte sympathisch durch das Programm. Begleitet wurden die Filme von Frieder Egri am Keyboard und Ilmar Klahn auf der Violine. Zum gezeigten Komödienstoff passte die gespielte Musik sehr gut und vergrößerte den Spaß nochmals. Leider ist das kleine Theater nicht wirklich für eine Filmvorführung geeignet. In der obersten Reihe, in der wir natürlich saßen, behindern Scheinwerfer die Sicht auf die Leinwand. Aber der sympathische Gesamteindruck (ignorieren wir mal zwei Idioten im Publikum) lässt über dieses Manko hinwegsehen.

Als Hauptfilm lief Die Puppe aus dem Jahr 1919. Inszeniert hat dieses märchenhafte Komödie nach E.T.A. Hoffmann der große Ernst Lubitsch, die meisten kennen (wenn überhaupt) eher seine brillanten Hollywood-Werke wie Sein oder Nichtsein oder Rendezvous nach Ladenschluss.
In Die Puppe soll der junge Mann Lancelot (Hermann Thimig) auf Geheiß seines Onkels heiraten. Nur kann sich Lancelot nichts Schlimmeres vorstellen. Daher fasst er angestiftet von einer Gruppe gieriger Mönche den Plan, eine mechanische Puppe zu heiraten, um seinen Onkel zu täuschen. Er merkt aber nicht, das sich die Tochter des Puppenmachers (Lubitschs häufige Hauptdarstellerin Ossi Oswalda) als die Puppe ausgibt.
Die Zusammenfassung zeigt schon, das es kein Film ist, den man mit dem Wunsch nach Realismus angehen darf. Wenn man sich auf das märchenhafte einlässt, wird man mit einer phantasievollen und lustigen Stunde Film belohnt. Besonders bleibt der vorlaute und frühreife Lehrling des Puppenmachers im Gedächtnis. Seine Szenen verdienten sich die lautesten Lacher.
Das YouTube-Video zeigt eine kurze Szene des Filmes, in dem sich der heiratsunwillige Held von vierzig Jungfrauen verfolgt wird.

Daneben wurde noch der Marionettenkurzfilm Die Große Liebe einer kleinen Tänzerin. Der Film lehnte sich an den berühmten Das Cabinet des Dr. Caligari an. Stellenweise noch leicht amüsant, ansonsten langweilig. Marionetten liegen mir einfach nicht besonders. Mir waren die 18 Minuten schon viel zu lang (was aber keinesfalls an der weiterhin guten Musikuntermalung).
Bedenkt man aber den Ort der Vorstellung war die Wahl des Filmes goldrichtig.

Als Zugabe wurde noch ein kurzer, russischer Zeichentrickfilm gezeigt. Die Qualität von VHS war grauenvoll. Wie auch das Film selbst. Trotzdem spricht es für das familiäre der Veranstaltung, das dieser Beitrag recht spontan noch gezeigt wurde.

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